Ein freier Nachmittag. Vielleicht ein kleines Spiel? Die
einen scheuchen verärgerte Vögel über ihr Handy, die anderen begeben sich an
den PC. Manch einer zieht gerade seine Sims an, der nächste pokert wie ein Profi
und wiederum ein anderer spielt Minigolf im virtuellen Gras.
Währenddessen laufen im Fernsehen die Nachrichten und man
hört den Sprecher sagen, dass der Norweger Anders Breivik, der im vergangenen
Jahr bei erschütternden Anschlägen 77 Menschen umbrachte, vor seiner Tat das
gewalttätige Computerspiel World of Warcraft gespielt hatte.
Ein Computerspiel also mal wieder. Klar. Wir wissen ja,
dass nach solchen Taten immer danach gesucht wird und man wird immer wieder
fündig. Ob nun Breivik oder ein Schüler, der Amok läuft, ob nun in Norwegen,
Amerika oder Deutschland, ob nun das berühmt-berüchtigte Counter-Strike oder
irgendein beliebiges, anderes Computerspiel, sie scheinen eine der Grundlagen
für derartige Attentäter zu sein.
Aber müssen wir folglich Angst haben, dass die
zahlreichen Spieler auf dieser Welt alle den Hang haben, Amok zu laufen,
nachdem sie ausgiebig gespielt haben? Immerhin spielen alleine über 12Mio.
Menschen auf der Welt World of Warcraft.
Oder reift nach der Abschaffung der Wehrpflicht an den
deutschen PCs eine neue Armee voller gewaltbereiter und bestens trainierter
Freiwilliger, die unglaublichen Spaß am Töten haben, heran?
Meiner Meinung nach haben sich Computerspiele aufgrund
ihrer Darstellung in den Medien zu einem falschen Schuldigen entwickelt.
So wird World of Warcraft pauschal als Gewaltspiel
bezeichnet, obwohl es ein Rollenspiel ist, in dem Gewalt gewiss nicht im
Mittelpunkt steht, und keine Ähnlichkeit zu einem Shooter wie Counter Strike
besitzt.
Es mag sein, dass jemand, der eine solch grauenhafte Tat
plant, sich im Vorfeld auch dazu hingezogen fühlt, seine Vorstellungen virtuell
auszuleben, doch die Medien suggerieren uns, dass der Umkehrschluss gilt und
man somit nicht nur vom Täter zum Spieler, sondern auch vom Spieler zum Täter
wird. Diesen Umkehrschluss kann man per se genauso wenig ziehen wie daraus,
dass man isst, wenn man Hunger hat, zu schließen, dass man Hunger bekommt, wenn
man isst. (Als Mathe-Studentin habe ich übrigens schon unzählige Male erlebt,
dass man nicht automatisch in beide Richtung folgern kann, aber diese Beispiele
erspare ich euch jetzt ;))
Wenn es so wäre, müsste man dann nicht auch davon
ausgehen, dass auch andere Dinge, die man bei allen Amokläufern findet (z.B.
Fernseher, Deo, Brot, Bettwäsche,...) zum Morden animieren? Aber für die Medien
ist es natürlich viel spannender, zu sagen, „Er hat PC-Spiele gespielt.“ als,
„Er benutzte Deo.“.
Ich will gewiss nicht verteidigen, was Breivik und co.
getan haben, aber solche Vorurteile sind allen anderen Spielern gegenüber nicht
fair, denn niemand möchte das Gefühl haben, er hätte ein „böses“ Hobby und sei
eine Art versteckter Terrorist und eine tickende Zeitbombe innerhalb der
Gesellschaft. Zumal genauso jedem selbst überlassen ist, ob er mehr Spaß daran
hat, einer Sims-Familie ein pinkfarbenes Bett zu kaufen oder durch die Welt von
World of Warcraft zu laufen, wie eine kitschige Liebeskomödie mit einem
garantierten Happy End einem Actionfilm mit zehn Bösewichten vorzuziehen.
Niemand sollte, sofern er keine unschönen Absichten hat,
das Gefühl haben müssen, sein Hobby lieber zu verschweigen, als schief
angeschaut zu werden.
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| ein PC-Spiel und ein bisschen Schleichwerbung für das Profi-Team Team Dignitas |
Möglicherweise werde ich mit diesem Text kontroverse
Meinungen hervorrufen, aber ich kann sagen, dass ich früher selbst nicht
angezweifelt habe, was die Medien zu diesem Thema zu sagen hatten – bis ich liebe Menschen kennen gelernt habe, die viel spielen und mir einen
ausführlichen Einblick in diese Welt als Hobby und auch in die
Profi-Spieler-Welt gewährt haben.
Zwar habe ich selbst schon ein paar Spiele mehr oder
weniger gespielt (ja, auch Counter-Strike habe ich ein Mal ausprobiert), aber
ich würde nicht sagen, dass ich regelmäßig spiele, weshalb meine Ansichten
durchaus die einer Außenstehende sind und vielleicht andere, die sich noch nie
näher mit dieser Thematik beschäftigt haben, dazu bewegen, die Darstellung der
Medien kritisch zu sehen :)